Am 14. April 2026 lud das Ausbildungsnetzwerk zum Netzwerkbrunch bei Agrarprodukte Dedelow ein. Die Veranstaltung bot eine gelungene Mischung aus fachlichem Input, Austausch und praxisnahen Einblicken rund um das Thema Ausbildung in der Landwirtschaft.
Den Auftakt machte Netzwerkkoordinatorin Frau Heyse. Sie begrüßte die Teilnehmenden und gab einen anschaulichen Einblick in die Netzwerktätigkeiten des vergangenen halben Jahres. Anhand eines Zeitstrahls sowie begleitender Bilder erhielten die Gäste einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten.
Im Anschluss folgte Herr Grapentin, Ausbildungsberater beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF). In seinem Vortrag präsentierte er die aktuellen Ergebnisse der Zwischenprüfungen 2026. Dabei wurde deutlich, dass sich die Leistungen der Auszubildenden in den letzten drei Jahren – sowohl im schriftlichen als auch im praktischen Bereich – um nahezu eine Note verschlechtert haben.
Im anschließenden Plenum entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über mögliche Ursachen. Genannt wurden unter anderem Defizite aus der schulischen Vorbildung, die in der Berufsschule nur schwer aufgeholt werden können. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie wurden als wesentlicher Faktor benannt. Darüber hinaus wurde deutlich, dass grundlegende Kompetenzen wie Lesen und Schreiben bei einigen Auszubildenden zunehmend schwächer ausgeprägt sind. Besonders bei Aufgabenstellungen, die ein Erläutern oder Erklären erfordern, werden häufig nur Stichpunkte statt vollständiger Sätze formuliert. Ebenso wurde die intensive Nutzung von Smartphones und Social Media kritisch betrachtet, da sie das Lernverhalten beeinflusst und die Fähigkeit zur Bewertung von Informationen – etwa im Hinblick auf Fake News oder KI-generierte Inhalte – erschwert.
Im zweiten Fachvortrag stellte Frau Hoppe das Thema „Chancen und Vielfalt im Betrieb erweitern – Ausbildung von Menschen mit Beeinträchtigungen“ in den Mittelpunkt. Obwohl das Thema vielen bereits bekannt ist, wurde deutlich, dass es noch stärker in den Fokus gerückt werden sollte. Menschen mit Beeinträchtigungen verdienen die gleichen Chancen auf eine qualifizierte Ausbildung.
Ein zentraler Baustein hierfür ist die sogenannte ReZA-Qualifikation. Diese befähigt Betriebe, junge Menschen mit Unterstützungsbedarf auszubilden. Nach 80 Unterrichtsstunden sowie einer Projektarbeit erhalten die Teilnehmenden ein entsprechendes Zertifikat. Neben dem Mehrwert für die Betriebe wurden auch mögliche Herausforderungen offen angesprochen und gemeinsam diskutiert.
Die anschließende Mittagspause bot Raum für persönlichen Austausch und Vernetzung. Für das leibliche Wohl sorgten die Auszubildenden des 1. Lehrjahres Fachpraktiker Hauswirtschaft der Bildungseinrichtung Buckow, die gemeinsam mit ihrer Ausbilderin eine Vielzahl an süßen und herzhaften Speisen vorbereitet hatten. In angenehmer Atmosphäre wurden Kontakte geknüpft und Gespräche vertieft.
Gestärkt ging es in den Nachmittag mit zwei weiteren Fachvorträgen. Frau Stein und Frau Pistol von der Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) informierten über die Ausgleichsabgabe, zeigten Strategien zur inklusiven Mitarbeitergewinnung auf und erläuterten finanzielle Fördermöglichkeiten für Betriebe bei der Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung.
Im Anschluss gaben Frau Volkmann und Frau Siebert von der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) spannende Einblicke in die Frage: „Wie ticken Jugendliche heute?“. Neben wertvollen Impulsen zum besseren Verständnis der jungen Generation erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Tipps zur erfolgreichen Gewinnung von Auszubildenden.
Den Abschluss bildete eine Betriebsbesichtigung bei Agrarprodukte Dedelow, bei der die Teilnehmenden einen direkten Einblick in die betriebliche Praxis gewinnen konnten.
Der Netzwerkbrunch hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Betrieben, Institutionen und Bildungseinrichtungen ist. Die Herausforderungen in der Ausbildung sind vielfältig – gleichzeitig bieten sich zahlreiche Chancen, diesen aktiv zu begegnen. Besonders deutlich wurde, dass Ausbildung heute mehr denn je Engagement, Offenheit und neue Perspektiven erfordert.
Oder, wie es treffend zusammengefasst werden kann:
„Fachkräfte gewinnt man nicht nur – man entwickelt sie.“
Wir danken allen Teilnehmenden sowie der Agrarprodukte Dedelow für einen gelungenen und erkenntnisreichen Tag und hoffen, dass viele wertvolle Impulse mit in den Arbeitsalltag genommen werden konnten.
